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Abschluss statt Ausschluss – die klinische Diagnosesicherung funktioneller Bewegungsstörungen“

Veröffentlichungsdatum: 14. Februar 2024
Veröffentlichungsjournal: Der Nervenarzt

Zusammenfassung:
„Alle Tests sind unaufällig – es muss also eine funktionelle Störung sein“. Sätze wie diese hören Betroffene mit funktionellen neurologischen Bewegungsstörungen nicht selten. Ihre Erkrankung zeichnet sich dadurch aus, dass die Ursache für ihre Symptome bisher nicht mit herkömmlichen diagnostischen Untersuchungen sichtbar gemacht werden kann: Gehirnscans bleiben ohne Befund, ebenso Laboruntersuchungen und andere Tests, mit denen in der medizinischen Diagnostik normalerweise gearbeitet wird. Die Diagnose funktioneller Störungen wird somit häufig als „Ausschlussdiagnose“ vermittelt, was bei den Betroffenen jedoch häufig zu Frustration und Schwierigkeiten führt, die Diagnose zu verstehen und anzunehmen. Sie wollen schließlich darüber informiert werden, was sie haben, und nicht darüber, was sie nicht haben. Gleichzeitig kosten die angeordneten zusätzlichen diagnostischen Tests Zeit, was dazu führen kann, dass sich die Beschwerden weiter verfestigen und sogar chronisch werden.
Glücklicherweise stehen uns mittlerweile eine Reihe an klinischen Untersuchungsmethoden zur Verfügung, mit deren Hilfe gezielt auf das Vorhandensein einer funktionellen Störung untersucht werden kann. Diese s.g. Positivzeichen („positiv“ bedeutet hier, dass etwas vorhanden ist, während man mit einer Ausschlussdiagnose auf Negativzeichen überprüft – etwas ist nicht vorhanden) folgen dabei zwei Prinzipien, aufgrund derer die Diagnose sicher gestellt werden kann. Das erste Prinzip ist die so genannte „Inkonsistenz“: Die Symptome schwanken in ihrem Schweregrad und ihrem Aussehen. Besonders eindrücklich kann dies oftmals in Untersuchungen gezeigt werden, in denen die Aufmerksamkeit vom Symptom weg auf eine andere Aufgabe gelenkt werden muss. Wenn dann die Symptome abnehmen, ist dies ein Hinweis auf eine funktionelle Störung. Das zweite Prinzip ist die „Inkongruenz“. Das bedeutet, dass die Symptome nicht zu den Mustern bekannter anderer neurologischer Erkrankungen passen und nicht mit neuroanatomischen und biologischen Gesetzmäßigkeiten zusammenpassen.

Abschluss statt Ausschluss – die klinische Diagnosesicherung funktioneller Bewegungsstörungen“