Veröffentlichungsdatum: 12. Mai 2023
Veröffentlichungsjournal: Movement Disorders

Zusammenfassung:
Obwohl funktionelle neurologische Bewegungsstörungen durch motorische Symptome gekennzeichnet sind, hat sich gezeigt, dass auch die sensorische Wahrnehmung gestört ist. Bislang blieb allerdings unklar, wie das genaue Zusammenspiel von sensorischer Reizwahrnehmung und motorischer Antwort, die für zielgerichtetes Verhalten entscheidend ist, bei funktionellen Patienten verändert sein könnte. In unserer Studie nutzten wir daher die sogenannte Theory of Event Coding (TEC), um die Wahrnehmungs-Handlungsinteraktion auf verhaltensbiologischer und neurophysiologischer Ebene genauer zu untersuchen.
21 Patienten mit funktioneller Bewegungsstörung und 21 gesunde Kontrollpersonen wurden dafür mit einer TEC-bezogenen Verhaltensaufgabe, bei der die Teilnehmer/innen auf einen visuellen Stimulus mit einem Tastendruck reagieren mussten und gleichzeitiger EEG-Aufzeichnung, untersucht. Wir konzentrierten uns dabei auf EEG-Korrelate, die Perzeptions-Aktionsprozesse widerspiegeln. Die zeitliche Dekomposition ermöglichte uns dabei zwischen EEG-Codes zu unterscheiden, die sensorische (S-Cluster), motorische (R-Cluster) und integrierte sensorisch-motorische Verarbeitung (C-Cluster) widerspiegeln. Interessanterweise zeigten die Patienten behavioral eine deutlich stärkere Perzeptions-Aktionsbindung, was sich in Schwierigkeiten bei der Rekonfiguration von zuvor gebildeten Bindungen wiederspiegelte. Diese erhöhte Bindung ging mit einer veränderten Modulation neuronaler EEG-Cluster einher, einschließlich reduzierter C-Cluster-Modulationen im inferioren parietalen Kortex und veränderter R-Cluster-Modulationen im inferioren frontalen Gyrus. Interessanterweise korrelierten die behavioralen als auch die neurophysiologischen Auffälligkeiten mit dem Schweregrad der klinischen Symptome und stellen somit ein vielversprechendes Konzept für das Verständnis der funktionellen Bewegungsstörungen dar.